
Pure Power – das würde ich antworten, wenn mich jemand nach einer Beschreibung für Sabine Lisicki fragt. Mit ihren harten Grundlinienschlägen kann sie einen in den Wahnsinn treiben. Und dann ihr Aufschlag: über 200 Sachen erreicht er manchmal! Das kann Angst machen und im Handgelenk Schmerzen verursachen.
Aber wenn sie lacht, dann leuchtet sie plötzlich – und man merkt, dass man selbst gute Laune bekommt. Dieses Lachen ist ansteckend. „Ich bin einfach ein fröhlicher Mensch“, sagt Sabine. Zum Glück hört man ihr Lachen oft. Beim Training, beim Abendessen – abseits des Platzes ist sie eben nicht mehr die knallharte Tennis-Spielerin. Da ist sie eine angenehme Person, mit der man auch über Themen fernab der gelben Filzkugel plauschen kann.
Was ich an ihr besonders bewundere? Ihren Ehrgeiz und den Willen zum Sieg. Tennis ist der Inhalt ihres Lebens. Schon mit sieben Jahren fing sie an, den Schläger zu schwingen. Ihr Papa, Dr. Richard Lisicki, ist bis heute ihr Trainer. „Er ist mein engster Vertrauter“, sagt Sabine. Und fügt hinzu: „Auf meine Eltern kann ich mich blind verlassen.“
Zum Glück war ihr Vater nicht der typische Tennis-Papa, der seine Tochter gegen ihren Willen auf den Platz geschickt hat. Richard Lisicki: „Ich war nicht streng. Es kam bei Sabine alles von selbst. Ich musste sie nie zu etwas zwingen. Sie lernte schnell und konnte nicht genug bekommen.“ Und das ist heute noch ganz genau so.
Sabine kämpft für ihre Träume. Immer wieder haben Verletzungen sie in ihrer jungen Karriere zurückgeworfen. Sie hat meinen größten Respekt, dass sie sich davon nicht hat entmutigen lassen. Denn wie viel Motivation und Disziplin man aufbringen muss, um sich wieder zurückzukämpfen, davon kann ich nach meinen Verletzungen ein Lied singen. Und Sabine wäre eine geeignete Partnerin für ein Duett. Sabine Lisicki ist ein starker Mensch.
Dabei hilft ihr auch die Liebe zu ihrer Familie. „Mit ihr glücklich zu sein und gesund zu bleiben“, das sind ihre größten Wünsche im Leben. Und natürlich „einmal so erfolgreich zu sein wie Steffi Graf!“ Deshalb verzichtet sie auf viel, hat nur wenig Freizeit. Wenn Sabine sich mal eine Auszeit gönnt, dann verbringt sie diese mit Lesen, Klavierspielen oder sie entwirft Klamotten. Partynächte gibt es in Sabines Leben fast gar nicht.
Ich bin mir sicher: Sabine wird ihren Weg gehen. Und sie wird es schaffen. Sie ist jung, hat genug Zeit, um an ihren Schwächen zu arbeiten. Es erfüllt mich mit Stolz, dass ich zusammen mit ihr und den anderen Mädels vom Fed-Cup-Team den Tennissport wieder aus der Versenkung holen kann. Dazu braucht es Ausdauer und Power. Gerade das ist für Sabine ja kein Problem.
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